ÄPOL Ärzte und Pflegefachpersonen gegen Organspende am Lebensende/ Médecines et infirmières contre le don d'organes en fin de vie

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weitere Faktenblätter

 

Unterzeichnen Sie bitte unsere aktuelle Petition online oder drucken Sie den Petitionsbogen aus

 

 

Wir sind nicht generell gegen Organspenden. ÄPOL ist gegen die Organspende "nach dem Tod", auch Organspende am Lebensende genannt.

Lebendspenden sollen erlaubt bleiben. In der Schweiz können Lebende eine Niere und einen Teil der Leber spenden. Im Ausland werden auch Teile der Lunge und des Dünndarms von Lebendspendern transplantiert.

Organspende zu Ende denken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Wenn wir die Gesellschaft über die Organspende aufklären, bekommen wir keine Organe mehr." Prof. Rudolf Pichlmayr, Transplantationsmediziner, 1987

"Leben-Retten mit Organen aus Toten" ist leider nur ein schöner Traum, verbreitet von der Transplantationslobby.

Die Realität sieht ganz anders, erschreckend, aus.

Organspender mit primärem Hirnversagen sind bei der Organentnahme noch lebendig, ihr Herz schlägt noch. Ihnen werden bei lebendigem Leib die Organe aus dem Körper geschnitten (Explantation).

 


 

Es ist nicht so, wie viele Leute glauben, dass Organspender am Lebensende bei der Organentnahme kalte Leichen sind, wie wir dies aus dem Fernsehen kennen.

Denn wenn die Organspendewerbung von toten Organspendern spricht, dann meint sie Menschen mit Hirnversagen.

 

Seit 2007 gelten Menschen mit Hirnversagen, obwohl ihr Körper noch lebt, in der Schweiz als ganz tot.

 

Sie werden als Leichen bezeichnet und ihnen dürfen Organe entnommen werden (Transplantationsgesetz Art. 9: Der Mensch ist tot, wenn die Funktionen seines Hirns einschliesslich des Hirnstamms irreversibel ausgefallen sind).

Es gibt 2 Arten von Organspenden "nach dem Tod":

die Spende nach primärem Hirnversagen und diejenige nach sekundärem Hirnversagen fünf Minuten nach Herzstillstand.

Organspende nach primärem Hirnversagen

(Donation after Brain Death, DBD, wir verwenden die Bezeichnung Hirnversagen anstelle der missverständlichen Bezeichnung Hirntod)

Bei dieser häufigeren Art der Organspende ist das Hirn des Spenders entweder durch einen Hirnschlag oder einen Unfall mit schwerer Kopfverletzung ausgefallen.

Diese Menschen liegen auf der Intensivstation, sie sind beatmet, ihr Herz schlägt und ihre Haut ist rosig und warm. Sie sehen aus wie Schlafende.

 

Trotzdem gelten sie als tot und werden als Leichen bezeichnet.

Bei diesen Menschen ist aber nur das Hirn, also 3% des Körpers ausgefallen. Die restlichen 97% des Körpers mit allen anderen Organen leben noch.

In diesem Zustand werden sie in den Operationssaal gebracht, wo ihnen unter Vollnarkose die lebenden Organe aus dem Körper geschnitten werden.

Die Vollnarkose wird verabreicht, um die psychische Belastung des Operationteams zu reduzieren.

Denn erhalten diese Menschen für die Organentnahme keine Vollnarkose, reagiert ein Teil von ihnen beim Aufschneiden des Körpers mit Schwitzen, Blutdruck-, Pulsanstieg, Tränen der Augen und Abwehrbewegungen mit Armen und Beinen.

 

Das sind Schmerzreaktionen, die über Rückenmarksreflexe gesteuert werden. Da das Hirn ausgefallen ist, können sie gemäss heutigem Wissen nicht mehr wahrgenommen werden. Wissenschaftlich beweisen lässt sich das aber nicht.

Die Organe werden also nicht, wie viele glauben, von Leichen, wie wir sie seit Jahrhunderten kennen, in Leichenhallen kurz vor der Kremation oder Beerdigung entnommen.

Dies muss ja so sein, denn es können nur lebende und keine toten Organe verpflanzt werden. Organe von Toten sind tot und können nicht wieder lebendig gemacht werden. Organempfänger aber brauchen lebendige Organe.

Menschen mit primärem Hirnversagen sind nicht tot, sondern am Sterben. Statt im Kreise ihrer Angehörigen zu sterben, werden sie auf dem Operationstisch inmitten aufwändiger Technik durch die Organentnahme getötet.

Auch der Totenfrieden dieser Spender wird damit massiv gestört (es dauert nach dem Herzstillstand ca. 7 Tage, bis die letzten Zellen im Körper gestorben sind).

So unglaublich es klingen mag, aber heute wird diesen Organspendern das lebende Herz aus der Brust geschnitten.

In unseren Augen sind solche Explantationen, das heisst die Organentnahme bei lebendigem Leib mit Todesfolgen, und die anschliessende Organtransplantation kein Akt der Nächstenliebe, sondern ein Vergehen gegen die Menschlichkeit.

 

Zudem verstossen diese Explantationen gegen das Tötungsverbot. Menschen dürfen Menschen nicht töten, auch nicht, um Dritten zu helfen. Das Leben von Spendern darf nicht unwert und das von Empfängern wertvoll sein.

Jedes menschliche Leben muss unantastbar sein.

Organspende nach Herzstillstand

(mit sekundärem Hirnversagen, Donation after Cardiac Death, DCD, siehe dazu auch unsere aktuelle Petition an den Bundesrat)

 

Diese Art der Organspende ist in Deutschland verboten (mit der Begründnung, dass Menschen fünf Minuten nach Herzstillstand oft reanimierbar und damit noch nicht tot sind).

 

Bei dieser selteneren Art der Organspende werden schwerkranke Menschen mit aussichtsloser Prognose in den Operationssaal gebracht, wo, auf Wunsch auch im Beisein der Angehörigen, die lebenserhaltenden Massnahmen gestoppt werden und gewartet wird, bis das Herz aufhört zu schlagen.

 

Das Hirn wird in der Folge nicht mehr durchblutet und stirbt ab (sekundärer Hirntod).

 

Nach dem Herzstillstand werden die Angehörigen aus dem Raum gebeten und exakt fünf Minuten später das Hirnversagen festgestellt und der Spender für tot erklärt.

 

Danach wird er wieder intubiert, beatmet und mit der Organentnahme begonnen.

 

Sofort nach Eröffnen des Körpers werden die Halsschlagadern abgeklemmt (Mitteilung Renato Lehnherr anlässlich Ärztefortbildung 2018). Die Ärzte sind sich somit selber nicht sicher, ob der Spender zuvor wirklich tot war.

 

2018 wurde die Wartezeit zwischen Herzstillstand und Organentnahme von zehn auf fünf Minuten reduziert.

Neueste Forschungsresultate wecken schwere Bedenken, dass die Funktionen des Hirns beim Menschen 5 Minuten nach Herzstillstand irreversibel ausgefallen sind, wie vom Transplantationsgesetz gefordert.

Das würde bedeuten, dass gemäss Transplantationsgesetz auch diese Spender getötet werden.

Vor der Einführung des Hirntods als neue Todesdefinition bezeichnete das Aussetzen von Herzschlag und Atmung den Zeitpunkt des Todes.

 

Für viele Menschen, die Sterbende begleiten, entspricht dieser Zeitpunkt auch heute intuitiv dem Todeseintritt.  

Nach Aussetzen von Herzschlag und Atmung dauert es aber, wie gesagt, noch ungefähr 7 Tage, bis die letzten Zellen im Körper gestorben sind.

Diese Zeitspanne wird von der Wissenschaft als intermediäres Leben bezeichnet. Sie ist der letzte Abschnitt des Lebens.

Am Anfang dieser Zeitspanne, in den ersten Minuten nach dem Herzstillstand, sind die Organe noch lebendig und können transplantiert werden.

Die Organtransplantation am Lebensende ist kein sicherer Eingriff. Bei beiden Arten von Organspende kann nicht nachgewiesen werden, dass Organspendern durch diesen Eingriff nicht geschadet wird.

Indem die Transplantationsmedizin behauptet, die Organe würden Spendern postmortal entnommen, willl sie uns auch sagen, dass diesen Menschen, da sie ja tot seien, nicht mehr geschadet werden könne und dass Organspenden am Lebensende somit unbedenklich seien.

Da Spender aber nicht tot sind, respektive der Sterbeprozess noch nicht abgeschlossen ist, muss diese Frage neu beurteilt werden.

Die medizinische Forschung kann heute keine Aussagen über die Erlebnisfähigkeit von Menschen mit Hirnversagen und Sterbenden machen. Niemand kann mit Sicherheit sagen, dass diese Menschen nichts wahrnehmen.

 

Ebenso kann die befremdende, implizite Annahme der Transplantationsmedizin, dass nur das Sterben eines Organs - des Hirns - für das Sterben des Menschen bedeutsam sei und das Sterben der restlichen 97% des Körpers nicht, wissenschaftlich nicht bewiesen werden.

Auch sind die Risiken und Nebenwirkungen von Organtransplantationen am Lebensende für Spender nicht bekannt, denn verstorbene Spender können nicht mehr befragt werden.

 

Die Kenntnis von Risiken und Nebenwirkungen ist aber gemäss den Regeln der wissenschaftlichen Medizin Voraussetzung für jeden Eingriff.

Was ist mit der Seele?

Die Transplantationsmedizin geht davon aus, dass die Seele, sofern es eine gibt, mit dem Hirnversagen den Körper verlässt. Auch dies ist lediglich eine Annahme. Das kann wissenschaftlich nicht belegt werden.

 

Eine hypothetische Seele könnte den Körper auch erst später, zum Beispiel, wie das viele Leute glauben, in den ersten Stunden nach dem Herzstillstand, also postmortal, verlassen.

Es gibt auch keine wissenschaftlichen Forschungsresultate, die besagen, dass das Bewusstsein im Hirn lokalisiert ist, an dieses gebunden ist und mit dem Hirnversagen erlischt.

Aufgrund mangelnden Wissens über Sterben und Tod sind Organspenden am Lebensende wissenschaftlich nicht vertretbar. 

Indem die Transplantationsmedizin ohne all dieses Wissen trotzdem in den Prozess von Sterben und Tod eingreift, verlässt sie den Pfad der wissenschaftlichen Medizin und verstösst gegen deren Regeln. Die Transpantationsmedizin handelt nicht wissenschaftlich. Damit überschreitet sie eine rote Linie. Das ist unhaltbar.

Es gibt Sachverhalte, die es wahrscheinlich erscheinen lassen, dass Organspendern durch Organtransplantationen geschadet wird:

Der Mensch ist fraglos nicht abschliessend erforscht. Mit dem Vorhandensein von Unentdecktem muss gerechnet werden.

Der natürlichen Sterbeprozesses wird massiv gestört.

Menschen mit primärem Hirnversagen werden bis zur Organentnahme nicht sterben gelassen und noch eine zeitlang künstlich am Leben erhalten. Schlussendlich werden sie durch das Herausschneiden von Organen aus ihrem Körper getötet.

Auch Menschen, bei denen fünf Minuten nach Herzstillstand Organe entnommen werden, sind möglicherweise bei der Organentnahme noch nicht tot und sie werden durch die Organentnahme getötet. Mit Sicherheit aber wird bei ihnen der Totenfrieden, das intermediäre Leben, gestört.

Organspender sterben nicht vollständig, weil ein Teil ihres Körpers, die gespendeten Organe, weiterlebt. Sie erleiden ein unvollständiges Sterben. Es ist nicht so, dass die zu transplantierenden Organen im Körper der Spender sterben und anschliessend im Empfängerkörper reanimiert werden. Nein, diese Organe sterben nicht. Sie werden lebend transplantiert.

Die medizinische Forschung kann heute keine Aussagen über die Auswirkungen dieser Veränderung des Sterbeprozesses, dieses unvollständigen Sterbens machen.

Teilweises Weiterleben: Andererseits leben Spender, weil sie nicht vollständig sterben, mit einem Teil ihres Körpers verteilt auf mehrere, fremde Empfängerkörper weiter. Auch über mögliche Auswirkungen dieses Weiterlebens von Körperteilen auf den "verstorbenen" Spendern kann die medizinische Forschung heute keine Aussagen machen.

Die heutige Todesdefinition, wonach das Hirnversagen den Tod des Menschen bedeutet, basiert auf einer gesellschaftlichen Übereinkunft und nicht auf wissenschaftlichen Fakten. Die heutige Todesdefinition widerspricht der naturwissenschaftlichen Todesdefinition und der  Bedeutung des Wortes "tot". Das ist unlogisch, unsinnig und täuscht die Bevölkerung.

Das Hirnversagen wird zwar mit wissenschaftlichen Methoden festgestellt, die Todesdefinition selbst aber ist nicht wissenschaftlich begründet. Sie wurde nicht aufgrund neuer wissenschaftlicher Forschungsresultate eingeführt und es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die beweisen, dass der Ausfall der Hirnfunktionen den Tod des Menschen bedeuten.

Die heutige Todesdefinition ist eine gesellschaftliche Übereinkunft. Der Gesetzgeber, die Parlamente, haben 2004 im Transplantationsgesetz verfügt, dass diese neue Todesdefinition gilt. Sie wurde eingeführt, weil gemäss Schweizerischer Akademie der Medizinischen Wissenschaften 1968 "die Entwicklung der Reanimationstechnik es notwendig gemacht hat, die biologischen Kriterien des menschlichen Todes neu festzulegen" (Weshalb genau? Eine detaillierte, schlüssige Begründung fehlt) und vermutlich, um schwerkranken Menschen mit Organtransplantationen zu helfen und um im internationalen Wettbewerb der Spitzenmedizin nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Diese neue Todesdefinition aber ist nicht richtig, denn sie widerspricht der Bedeutung des Wortes "tot" und der naturwissenschaftlichen Todesdefinition. Letztere definiert den Tod als "Zustand eines Organismus nach Erlöschen aller Lebensfunktionen". Es gibt keinen vernünftigen Grund, diese Todesdefinition zu velassen.

Zum Zeitpunkt der Organentnahme sind noch nicht alle Lebensfunktionen erloschen, bis auf das Hirn lebt der ganze Körper mit allen Organen noch. Es sind also Sterbende und nicht Tote, denen die Organe entnommen werden.


 

Beenden wir den Irrtum, dass Organspenden am Lebensende vertretbar sind. Stoppen wir diese Eingriffe.

 

 

Unser Standpunkt in Kürze
Die Ausgangslage ist in unseren Augen einfach und klar: Da wir nicht wissen, was genau beim Sterben des Menschen passiert, insbesondere mit seinem Bewusstsein, dem Geistig-Seelischen, darf nicht in den Sterbeprozess eingegriffen werden. Jeder Eingriff könnte Schaden verursachen. Die Explantation von Organen, ihre Transplantation und ihr anschliessendes Weiterleben in fremden Körpern sind daher keinesfalls vertretbar.

Dieser Ansatz mag Vielen radikal erscheinen. Aber für uns Ärzte und Pflegefachpersonen gibt es gute Gründe, so zu denken.
Einerseits ist es unbestritten, dass der Mensch nicht abschliessend erforscht ist und dass die zukünftige Forschung neue Erkenntnisse bringen könnte, von denen wir heute noch keine Vorstellungen haben. Wir tun deshalb gut daran, strikte zu unterscheiden, was wir wissen und was nicht, und entsprechend zu handeln.

Andererseits lehrt die Geschichte, dass sich die Medizin immer wieder geirrt hat. Das medizinischen Handeln hat bei diesen Irrtümern offenbar nicht auf gesichertem Wissen beruht. Darum hat sich die heutige, moderne Medizin der evidenzbasierten Medizin verschrieben, das heisst, medizinisches Handeln soll, wenn immer möglich, auf evidenzbasiertem Wissen beruhen. Ist bei medizinischen Eingriffen mit allenfalls weitreichenden Folgen kein solches gesichertes Wissen vorhanden, darf der Eingriff nicht durchgeführt werden.

Wir hören oft die Meinung, dass es dem Individuum freigestellt sein soll, nach vollständiger Aufklärung über Organtransplantationen am Lebensende sich für oder gegen eine Organspende zu entscheiden. Das sehen wir nicht so. Eine Explantation ist in unseren Augen eine Tötung. Wir wollen nicht zulassen, dass Menschen andere Menschen töten, auch nicht, um Dritten zu helfen.

Zudem setzen sich Organspender am Lebensende einem nicht abschätzbaren Risiko aus. Die Transplantation ihrer Organe kommt einem Experiment am lebendigen Leib mit unbekanntem Ausgang gleich. Sich auf ein solches Experiment einzulassen ist irrational. Der Entscheid dazu beruht auf einer Annahme oder einem Glauben –  dass die Spende dem Spender nicht schaden wird – und nicht auf Wissen. Die rationale Sichtweise sagt, dass wir nicht wissen, ob der Eingriff nicht schädlich ist und dass es fahrlässig wäre, sich darauf einzulassen.

Wir wollen nicht zulassen, dass Menschen, aus welchen Überlegungen und Überzeugungen auch immer, Risiken von unbekanntem Ausmass eingehen und möglicherweise grosses Leid erfahren. Wir sehen es als unsere ethische Verpflichtung, solche Eingriffen zu verhindern.

 

Unser Leserbrief in der NZZ vom 4.4.2019:

Mangelndes Wissen über den Hirntod

 

In der NZZ vom 28.3.19 wurde im Artikel "Sind Organe von Hirntoten tabu?" unser Verein ÄPOL vorgestellt. Im Kommentar "Ein unnötiges Todesurteil für viele" wurde unsere Forderung, Organentnahmen bei Sterbenden zu verbieten, dem Argument gegenübergestellt, dass möglichen Organempfängern so die Chance, weiterzuleben, verwehrt wird. Hierzu möchten wir kurz Stellung nehmen.

 

Als Ärzte und Pflegefachpersonen liegt uns das Wohl der Menschen am Herzen, selbstverständlich auch das jener Menschen, die krank sind und auf ein Organ warten. Allerdings kann die medizinische Forschung heutzutage keine Aussagen darüber machen, wie die Erlebnisfähigkeit von hirntoten und sterbenden Menschen ist. Auch im Deutschen Ethikrat, der den Hirntod 2015 als Kriterium für einen Organspende-Eingriff zu bewerten hatte, war ein Viertel der Mitglieder der Ansicht, dass der Hirntod nicht ausreicht, um eine derartige Operation durchzuführen. Wir sind der Meinung, dass sich Organspender am Lebensende auf einen Eingriff einlassen, von der es keine Informationen über mögliche Risiken und Nebenwirkungen gibt. Das kommt einem Experiment mit unbekanntem Ausgang gleich.

Ärztinnen und Ärzte sind dem ethischen Gebot des Nicht-Schadens verpflichtet. Sie dürfen keine Eingriffe vornehmen, bei denen sie die Folgen nicht abschätzen können und die einem Menschen Schaden zufügen könnten.

 

Störend ist in unseren Augen zudem, dass nicht mit Sicherheit davon ausgegangen werden kann, dass Organspender die notwendigen Informationen erhalten und verstanden haben. Im Falle eines operativen Eingriffs gibt es Regeln, die bei der Patienteninformation befolgt werden müssen. Patienten müssen persönlich über den Ablauf des Eingriffs und über Risiken und Nebenwirkungen informiert werden. Wir fordern, dass auch bei Organentnahmen diese Regeln befolgt werden müssen. Die Lektüre von Broschüren und Webseiten genügt da keineswegs, denn aufgrund vieler persönlicher Gespräche wissen wir, dass die meisten Menschen den Unterschied zwischen einem Hirntoten und einer herkömmlichen Leiche nicht kennen.

 

Auch für uns ist die Gegenüberstellung von möglichen Organempfängern und Sterbenden ein grosses, ethisches Dilemma. Wir sind gleichwohl zur Einsicht gelangt, dass, auch aufgrund des begrenzten medizinischen Wissen über das Sterben und die Phase nach dem Hirntod, das Risiko der Organtransplantation am Lebensende für Spender nicht in Kauf genommen werden kann.

 

Alois Beerli und Alex Frei, Vorstand ÄPOL

 

POSITIONSPAPIER veröffentlicht am 3.4.2019 in der Schweizerischen Ärztezeitung

 

Der Verein ÄPOL (Ärzte und Pflegefachpersonen gegen Organspende am Lebensende) ist auf Initiative von Ärzten aus den Bereichen Hausarztmedizin und Psychotherapie, sowie von Intensivpflegefachpersonen entstanden. Aufgrund persönlicher Erfahrungen und Überlegungen sind wir überzeugt, dass Organspenden am Lebensende nicht vertretbar sind. Wir wollen erreichen, dass keine Organspenden am Lebensende mehr durchgeführt werden. Lebendspenden sollen erlaubt bleiben.

 

Der Ablauf von Organspenden

Es gibt 2 Arten von Organspenden "nach dem Tod": Die Organspende nach Hirnversagen (sogenannt Hirntod) und die Organspende nach Herztod.

Organspende nach Hirnversagen («Donation after Brain Death» DBD)

Menschen mit Hirnversagen liegen auf Intensivstationen, sie werden beatmet, ihr Herz schlägt und ihre Haut ist rosig und warm. Sie sehen aus wie Schlafende. Nachdem der Tod des Hirns festgestellt wurde, werden sie für tot erklärt, womit sie zu Organspendern werden können.

Von der Intensivstation werden sie, nachdem sich ihre Familie von ihnen verabschiedet hat, zur Explantation in den Operationssaal gebracht. Dort kam es früher beim Aufschneiden des Körpers manchmal zu Blutdruckanstieg, Herzrasen, Schwitzen, Tränenfluss und zu Abwehrbewegungen mit Armen und Beinen [1]. Das sind Reaktionen auf Schmerzen, die durch Rückenmarksreflexe gesteuert werden. Diese Schmerzreaktionen werden nach heutiger Lehrmeinung als bedeutungslos angesehen, weil das Zentrum des Nervensystems, das Hirn, ausgefallen ist und die Schmerzen daher nicht mehr wahrgenommen werden können. Dass Spender diese Schmerzen nicht spüren, ist aber wissenschaftlich nicht belegbar (Cavete collegae, Irrtum möglich!).

Damit sich Spender während der Explantation nicht bewegen, erhalten sie heute in der Schweiz eine Allgemeinanästhesie (Vollnarkose). In Deutschland hingegen werden nur muskellähmende Medikamente verabreicht. Anschliessend folgt eine bis achtstündige Operation, während der verschiedene Ärzteteams inmitten aufwendigster Technik und Apparaturen ein Organ nach dem anderen entnehmen. Das Herz wird durch kalte Perfusionslösung gelähmt, so zum Stillstand gebracht und herausgeschnitten [2]. Am Ende der Operation wird der Körper zugenäht, gewaschen und Verbände werden angelegt. Die Angehörigen können ihn dann, wenn sie möchten, nochmals sehen.

 

Organspende nach Herztod («Donation after Circulatory Death» DCD)

In der Schweiz, nicht aber in Deutschland (!), ist es erlaubt, fünf Minuten nach Herz-Kreislauf-Stillstand Organe zu entnehmen. Dabei werden schwerkranke Patienten mit aussichtsloser Prognose, auf Wunsch im Beisein der Angehörigen, in den Operationssaal gebracht, wo alle lebenserhaltenden Massnahmen gestoppt werden und gewartet wird, bis das Herz aufhört zu schlagen. Exakt fünf Minuten nach Herzstillstand, wenn der Hirntod eingetreten ist, werden die Angehörigen aus dem Operationssaal gebeten. Damit die zu entnehmenden Organe keinen Schaden erleiden wird der "verstorbene" Spender in der Folge sofort wieder intubiert, beatmet und die Explantation durchgeführt.

Fünf Gründe fur das Verbot von Organspenden am Lebensende

1. Organspender sind zum Zeitpunkt der Organentnahme nicht tot. Sie sind am Sterben und werden durch die Entnahme getötet.
Es können nur lebende Organe verpflanzt werden und diese können nur aus lebenden Körpern entnommen werden. Organspender sind bei der Organentnahme noch lebendig [3]. Die implizite Behauptung der Transplantationsmedizin, sie entnehme lebende Organe postmortal, also von Toten, ist in sich ein Widerspruch.

Bei Menschen mit totem Hirn gibt es viele Lebenszeichen. Solange sie beatmet und ernährt werden, regulieren sie die Körpertemperatur, bekämpfen Infektionen, heilen Wunden, hirntote Kinder wachsen und kommen in die Pubertät und schwangere hirntote Frauen können per Kaiserschnitt gesunde Kinder zur Welt bringen.

Wie umstritten der Hirntod als Todesdefinition ist, zeigt auch die Tatsache, dass im Deutschen Ethikrat 2015 insgesamt 7 von 26 Mitgliedern den Hirntod nicht als hinreichende Bedingung für den Tod eines Menschen bezeichneten [4].

Hirntote Organspender sterben statt im Kreise ihrer Angehörigen im Operationssaal inmitten aufwendigster Technik durch die Organentnahme. Das ist eine traurige und für viele Menschen verstörende Vorstellung. Menschen dürfen Menschen nicht töten, auch nicht, um anderen Menschen zu helfen. Das ist ein massiver kultureller Bruch. Es darf kein wertvolles (Empfänger) und unwertes (Spender) Leben geben. Jedes menschliche Leben muss unantastbar sein.

Diese Begründung alleine müsste genügen, um Organtransplantationen am Lebensende zu verbieten.

2. Es gibt kein Wissen darüber, was beim Tod mit dem Bewusstsein, dem Geistig-Seelischen, geschieht.
Wir wissen nicht, ob das Bewusstsein, das Geistig-Seelische, mit dem Eintreten des Hirntodes erlöscht, oder ob es auf eine für uns nicht erfassbare Weise weiterexistiert. Wir wissen auch nicht, ob das Geistig-Seelische, sofern es weiterexistiert, noch leiden kann. Dies alles aber müssten wir wissen, um sicher zu sein, dass Organtransplantationen am Lebensende Spendern nicht schaden. Dass die Transplantationsmedizin ohne dieses Wissen Organe transplantiert, ist unhaltbar.

 

3. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege, dass nur das Sterben des Hirns und nicht auch das des Körpers und der übrigen Organe für das Sterben des Menschen bedeutsam ist.

Das Handeln der Transplantationsmedizin beruht auch aus diesem Blickwinkel nur auf Annahmen und nicht auf gesichertem Wissen. Damit verstösst es gegen die Regeln medizinisch-wissenschaftlichen Handelns.

Der ganze Körper des Menschen lebt und stirbt, nicht nur das Hirn. So spielt sich zum Beispiel das Gefühlsleben im Körper ab (im Bauch, Herzbereich, Hals, etc.) und nicht im Hirn. Auch beinhaltet der Körper mit dem enterischen Nervensystem, auch Bauchhirn genannt, annähernd gleichviele Nervenzellen, wie das Hirn im Kopf.

Der Mensch ist schlicht nicht erschöpfend erforscht. Die heutige Praxis von Organtransplantationen am Lebensende könnte sich in Zukunft als Fehler, als eine menschliche und wissenschaftliche Tragödie erweisen.

4. Indem lebende Organe verpflanzt werden, wird ins Leben, auch das der Spender, eingegriffen.
Mit dem Eingriff ins Leben der Spender entsteht die Möglichkeit, diesem Leben zu schaden. Daraus wiederum ergibt sich die Pflicht, nachzuweisen, dass Nutzen und Nebenwirkungen des Eingriffs für Spender in einem annehmbaren Verhältnis stehen, insbesondere, dass der Eingriff Spendern keinen unverhältnismässigen Schaden zufügt. Diesen Nachweis kann die Transplantationsmedizin nicht erbringen.

5. Der Sterbeprozess ist zum Zeitpunkt der Explantation noch nicht beendet und wird gestört.
Bei Menschen mit totem Hirn sind 3% des Körpers tot, 97% leben noch. Zudem dauert es nach Herzstillstand ungefähr sieben Tage, bis die letzten Zellen im Körper gestorben sind [5]. Der Sterbeprozess ist also bei der Explantation noch nicht abgeschlossen und wird gestört.

Die Transplantationsmedizin am Lebensende kann nicht nachweisen, dass sie Spendern durch die Explantation und die Störung des Sterbeprozesses nicht schadet. Damit verstösst sie gegen fundamentale Regeln des medizinisch-wissenschaftlichen Handelns und möglicherweise gegen das Gebot des Nicht-Schadens der ärztlichen Ethik (Primum nil nocere). Das ist in unseren Augen verantwortungslos.

 

Die Transplantationsmedizin lässt die Öffentlichkeit in einem falschen Glauben.
Heute muss davon ausgegangen werden, dass Menschen explantiert werden, die geglaubt haben, sie seien zum Zeitpunkt der Organentnahme eine Leiche im herkömmlichen Sinn: keine Atmung, kein Herzschlag, kalte, blasse Haut. Das Bundesamt fur Gesundheit, Swisstransplant und die Medien betonen immer wieder, dass Organe „nach dem Tod“ entnommen werden,
ohne klar zu stellen, dass seit 2007 eine neue Todesdefinition gilt und dass es erhebliche Unterschiede zwischen einem Toten nach heutiger Definition und einer herkömmlichen Leiche gibt. Die Öffentlichkeit in diesem falschen Glauben zu lassen ist inakzeptabel.

ÄPOL fordert, dass, solange Organspenden am Lebensende erlaubt sind, Spender ihre Zustimmung zu Organspende gemäss dem heutigen Standard als informierte Entscheidung gefällt haben müssen. Jede Person mit einem Organspendeausweis muss den Unterschied zwischen einem hirntoten Menschen und einer herkömmlichen Leiche kennen.

Auch weltweit führende Mediziner und Ethiker sind zur Einsicht gelangt, dass Menschen mit Hirnversagen nicht tot sind.
Mediziner und Ethiker um Robert Truog, dem jetzigen Direktor des Zentrums für Bioethik der Harvard Medical School, das 1968 das Hirntodkonzept lanciert hatte, sind heute der Ansicht, dass Menschen mit totem Hirn zwar nicht tot sind, dass es aber dennoch moralisch richtig ist, ihnen Organe zu entnehmen [6]. Sie weisen damit ebenfalls auf das Dilemma, das im Hirntodkonzept per se drinsteckt, hin und hoffen, dass die Öffentlichkeit ihre Ansicht in Zukunft teilt. Sie fordern eine Abkehr von der Dead Donor Rule (Toter-Spender-Regel) und eröffnen damit die Debatte des „Justified Killing“ (gerechtfertigtes Töten).

Diese Debatte müsste, wenn an Organspenden am Lebensende festgehalten wird, auch in der Schweiz geführt werden.

Wie ist es möglich, dass seit 50 Jahren weltweit mit dem Hirntodkonzept eine Todesdefinition gilt, die derart umstritten ist?
Ein Ad-Hoc-Komitee der Harvard Medical School schlug 1968 den Hirntod als neue Todesdefinition vor, um erstens bei hirntoten Menschen ohne angeklagt zu werden die lebenserhaltenden Therapien stoppen zu können und um zweitens zu verhindern, dass „veraltete Todeskriterien zu Streit bei der Organbeschaffung für Transplantationen führen“ [7]. In ihrem Bericht begründete das Komitee aber nicht, warum der Hirntod dem Gesamttod des Menschen entsprechen soll (!). Es vertrat lediglich die Ansicht, dass die herkömmliche Todesdefinition mit Herz- und Atemstillstand angesichts der Fortschritte der Intensivmedizin veraltet („obsolete“) sei.

Dieser Vorschlag wurde weltweit sofort aufgenommen. Bereits 1968 wurden über 100 Herztransplantationen durchgeführt und damit Tatsachen geschaffen. Verschiedene Gremien versuchten später, eine schlüssige Begründung für die Gleichung "Hirntod gleich Gesamttod"  nachzuliefern. Die erste Begründung lautete, dass Hirntote tot seien, da das Hirn das zentrale Steuerorgan des menschlichen Körpers sei und mit seinem Ausfall der Tod sofort eintrete. Diese Begründung wurde durch das jahrelange Überleben von Hirntoten widerlegt. Die neueste Begründung, 2008 formuliert durch den «President’s Council on Bioethics» der USA lautet, dass Hirntote tot seien, „weil die Integration in die Umwelt fehle“ [8]. Auch diese Begründung überzeugt jedoch nicht abschliessend. Die aus Sicht jedes potentiellen Organspenders und der ärztlichen Ethik vorrangige Frage, ob kein Schaden angerichtet wird, ob also Transplantationen Spendern nicht schaden könnten, wird nie gestellt und diskutiert.

Offenbar verdrängt die ethische Verpflichtung und Motivation, schwerkranken Menschen zu helfen, und das Streben nach medizinischem Fortschritt und Prestige die Einsicht, dass das Fundament der Transplantationsmedizin am Lebensende nicht tragfahig ist und dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Transplantationsmedizin Organspendern Leid zufügt.

Literatur

1 Lubitsch A, Schwelm H. Anästhesie zur Multiorganentnahme, Abschlussarbeit in der Weiterbildung zur Pflegefachfrau für Anästhesie und Reanimation, Kurs 2005, Universitätsspital Basel.

2 Swisstransplant/CNDO The Swiss Donation Pathway, Modul VI, Organ- und Gewebeentnahme

3 Kersting D. Tod des Körpers oder Tod der Person? Ethik Med. 2017;29:217–32

4 Deutscher Ethikrat, Hirntod und Entscheidung zur Organspende, Stellungnahme, 24.2.2015

5 Marsch S. When is a person dead? Uni Nova - Research Magazine of the University of Basel 125/2015, pp 33-34

6 Aviv R. What Does it Mean to Die? The New Yorker 5.2.2018, p 25
7 Beecher H, Adams R, Barger C, Curran W, Denny-Brown D, Farnsworth D et al. A Definition of Irreversible Coma, JAMA, Aug5,1968, Vol 205, No 6
8 Controversies in the Determination of Death: A White Paper by the President’s Council on Bioethics, Washington D.C. Dec 2008.

 

 

 

 

 

 

 

Auch Angehörige können zu Opfern werden

Zitat von der Homepage www.initiative-kao.de: "KAO ist eine Initiative gegründet von Eltern, die ihre verunglückten Kinder zur Organspende freigegeben haben, ohne die Hintergründe zu diesem Zeitpunkt genau genug zu kennen. Erst nachdem ihre Kinder beerdigt waren, haben sie begriffen, wozu sie ja gesagt hatten. Sie haben begriffen, dass lebende Organe nicht von Menschen entnommen werden können, die so tot sind, wie sie es sich vorgestellt hatten. Ihre Entscheidung haben sie daher bitter bereut. Durch ihre Zustimmung waren ihre Kinder in ihrem Sterbeprozess, in dem sie ihrer besonderen Liebe bedurften, ungeschützt allein gelassen und einer Organentnahme überantwortet, die hinterher wie das Ausschlachten eines Autowracks erschien. In dieser Situation haben sie sich entschlossen, durch Aufklärung dazu beizutragen, dass andere Eltern unter ähnlichen Umständen davor bewahrt werden, unvorbereitet wie sie mit der Frage der Organspende konfrontiert zu werden."

 

 

PETITIONEN

An den Schweizer Bundesrat

Bundeskanzlei

Bundeshaus West

3003 Bern

Winterthur, 21.5.2019

 

Für ein Moratorium von Organspenden nach Herztod / Stop au don d'organes après la mort cardiaque

Sehr geehrte Bundesrätinnen

Sehr geehrte Bundesräte

Bei der Organspenden nach Herztod (Donation after Cardiac Death, DCD) werden Menschen, die ein schweres Leiden mit aussichtsloser Prognose haben, in den Operationssaal gebracht, wo die lebenserhaltenden Massnahmen gestoppt werden. Anschliessend wird gewartet, bis das Herz aufhört zu schlagen. 5 Minuten nach Herzstillstand wird der Spender für tot erklärt und zum Schutz der zu transplantierenden Organe wieder intubiert, beatmet, herzmassiert und die Organentnahme durchgeführt (siehe http://www.aepol.net). 2018 wurde die Wartezeit zwischen Herzstillstand und Organentnahme von 10 auf 5 Minuten reduziert.

Warum wir ein Moratorium fordern

1. Neueste Forschungsresultate wecken schwere Bedenken, dass die Funktionen des Hirns beim Menschen 5 Minuten nach Herzstillstand irreversibel ausgefallen sind. Dies aber ist gemäss Schweizer Transplantationsgesetz für die Feststellung des Todes und die nachfolgende Organentnahme erforderlich ( Artikel 9, Todeskriterium und Feststellung des Todes, Absatz 1: "Der Mensch ist tot, wenn die Funktionen seines Hirns einschliesslich des Hirnstamms irreversibel ausgefallen sind.").

2. Andere Wissenschafler stellten schon 2016 fest, dass ein Ausfall der Blutversorgung des Hirns von 5 Minuten Dauer nicht genügt, um die Irreversibilität des Funktionsausfalls des Hirns nachzuweisen [5].

Ad 1. Forscher der renommierten Yale School of Medicine, New Haven, USA, konnten tot geglaubte Hirnzellen von Schweinen 4 Stunden nach Stopp der Blutversorgung wieder teilweise zum Funktionieren bringen [1]. Damit wird massiv in Frage gestellt, dass die Hirnzellen beim Menschen 5 Minuten nach Herzstillstand irreversibel ausgefallen sind und diese Menschen für tot erklärt werden können. Eine Bestätigung dieser Studienresultate in Zukunft könnte zu einem Verbot von Organentnahmen 5 Minuten nach anhaltendem Herz-Kreislauf-Stillstand, wie sie heute in der Schweiz durchgeführt werden, führen. (Diese Organspenden sind übrigens in Deutschland seit jeher verboten und die Spitäler lehnen alle Organe ab, die von solchen Entnahmen stammen.) Bis die Studienresultate bestätigt oder widerlegt sind, soll für diese Form von Organspende ein Moratorium gelten.

Die Studienresultate wurden im April 2019 in der renommierten wissenschaftlichen Zeitschrift Nature zusammen mit einem Kommentar [2] publiziert. Aber auch die New York Times [3] und die Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ [4] sind überzeugt, dass diese Resultate grossen Einfluss auf die Organspende-Debatte haben. Die FAZ titelt: "Der Tod schlägt Funken. Ein Experiment befeuert die Debatte um Organspenden: Wie leblos ist ein Gehirn, das Stunden nach der Enthauptung Regungen zeigt?" Weiter schreibt sie: "Nach dem in einigen Ländern [wie der Schweiz] zulässigen DCDD-Protokoll (Donation after cardiac determination of death) werden den Organspendern Organe nur wenige Minuten nach einem Herzstillstand entnommen... Die Ärzte dort gehen davon aus, dass alle Hirnzellen nur kurz nach dem Abbruch der Blutversorgung irreversibel geschädigt sind. Im Tierversuch könnte das jetzt als widerlegt gelten."

Ad 2. Wissenschaftler aus den USA und der Schweiz kommen in ihrer Arbeit "Using the brain criterion in organ donation after the circulatory determination of death" [5] zum Schluss, dass ein 5-minütiger Ausfall der Blutversorgung des Hirns nicht genügt, um die Irreversibilität des Funktionsausfall des Hirns nachzuweisen. Sie weisen auf mehrere wissenschaftliche Arbeiten hin, die belegen, dass bei Patienten mit Herzstillstand auch nach 20- bis 30-minütigem Ausfall der Blutversorgung des Hirns Reanimationen mit guten neurologischen Resultaten erfolgt sind. Sollte dies zutreffen, wäre abzuklären, ob Organspenden 5 Minuten nach anhaltendem Herz-Kreislauf-Stillstand nicht gegen Artikel 9 des Schweizer Transplantationsgesetzes verstossen.

Warum ist das wichtig?

1. Sollte das Hirn zum Zeitpunkt der Organentnahme noch nicht irreversibel ausgefallen sein, würde das bedeuten, dass Organspender nach anhaltendem Herz-Kreislauf-Stillstand durch die Organentnahme getötet werden. Menschen dürfen aber Menschen nicht töten, auch nicht, um Dritten zu helfen. Jedes menschliche Leben muss unantastbar sein.


2. Spendern könnte die Entnahme und Transplantation ihrer Organe auch aus folgenden Gründen schaden:

Einerseits sterben sie dadurch nicht vollständig, weil ein Teil ihres Körpers, die gespendeten Organe, weiterlebt. Die medizinische Forschung kann heute keine Aussagen darüber machen, ob dieses unvollständige Sterben, diese Störung des Sterbeprozesses, Spendern nicht schadet.

Andererseits könnte Spendern auch das Weiterleben von Teilen ihres Körpers schaden. Die gespendeten Organe sterben ja – wie gesagt - nicht und leben weiter. Auch hier kann die medizinische Forschung keine Aussagen darüber machen, ob dies Organspendern nicht schadet. Das ist absolut inakzeptabel.

Vorstand ÄPOL (Ärzte und Pflegefachpersonen gegen Organspende am Lebensende)

siehe auch http://www.aepol.net

Facebook https://www.facebook.com/pages/category/Community/Gegen-Organspende-am-Lebensende-365969910496773/

Literatur
1 Vrselja Z. Daniele S.G. Sestan N. Restoration of brain circulation and cellular functions hours post-mortem, Nature 568, pp 336–343 (2019) https://www.nature.com/articles/s41586-019-1099-1

2 Pig experiment challenges assumptions around brain damage in people , Nature 568, pp 283-284 (2019) https://www.nature.com/articles/d41586-019-01169-8

3 'Partly Alive': Scientists Revive Cells in Brains from Dead Pigs, New York Times, 17.4.2019 https://www.nytimes.com/2019/04/17/science/brain-dead-pigs.html

4 Der Tod schlägt Funken, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.4.2019 https://m.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/hirntod-experiment-befeuert-debatte-um-organspenden-16146307.html?premium=0x249fb47e716d8d7b5cdd81ee8e8c3106

5 A.L. Dalle Ave, J.L. Bernat: Using the brain criterion on organ donation after the circulatory determination of death / Journal of Critical Care 33 (2016) 114-118 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26857329

P.S. Auf die Organspende nach primärem Hirnversagen (Donation after Brain Death, DBD) hat die Petition keine Auswirkungen.

Jede Person, unabhängig von Alter und Nationalität, kann Petitionen unterschreiben.

Einzelpetition an den Bundesrat

eingereicht am 9.2.2018, abgelehnt, Begründungen des Bundesrates siehe unten

 

An die Mitglieder

des Bundesrates

 

Bundespräsident

Alain Berset

Eidgenössisches Departement des Innern EDI
Inselgasse 1
CH-3003 Bern

 

 

Winterthur, 9.2.2018

 

 

Einzelpetition: Ich bitte Sie zu prüfen, ob die heutige Praxis von Organentnahmen bei hirntoten Menschen gestoppt werden muss.

 

 

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

 

neueste wissenschaftliche Arbeiten kommen zum naheliegenden Schluss, dass beim Tod des Menschen seine Person und sein Körper stirbt (Kersting, 2017, Tod des Körpers oder Tod der Person? [1], Arbeit beigelegt).

Das hat weitreichende Konsequenzen für die Transplantationsmedizin, weil somit hirntote Menschen, bei denen ja nur das Hirn, nicht aber der übrige Körper tot ist, nicht mehr als tote, sondern als sterbende Menschen angesehen werden müssen. Ob auch bei sterbenden Menschen Organe entnommen werden sollen, muss erst diskutiert und dann gesetzlich geregelt werden. Die heutige Regelung ist damit nicht mehr aufrecht zu erhalten und sollte, bis eine neue Regelung vorliegt, sofort ausser Kraft gesetzt werden.

 

Es gibt aber meines Erachtens noch weitere Gründe, weshalb die heutige Regelung gestoppt werden sollte. Ich weiss, Sie haben einen Organspenderausweis. Ich möchte versuchen, Sie mit meinen Argumenten umzustimmen, denn ich glaube, dass sich die Spitzenmedizin im Bereich der Transplantationsmedizin verrannt hat und dass bei der Freude über die Erfolge und Fortschritte der Transplantationsmedizin das Wohl der Organspender aus dem Blickfeld geraten ist. Ich bin der Meinung, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass Organentnahmen hirntoten Menschen schaden.

 

Zuerst möchte ich kurz die heutige Praxis von Organentnahmen bei Hirntoten rekapitulieren. Gemäss unserem geltenden Transplantationsgesetz ist der Mensch nach Ausfall der Hirn- und Hirnstammfunktionen, wenn er also hirntot ist, gestorben. Seine Person existiert nicht mehr und das ganzheitliche Funktionieren seines Körpers ist zu Ende. Sein Hirn ist tot, aber sein übriger Körper mit den anderen Organen lebt noch, sein Herz schlägt (mit medikamentöser Unterstützung) und er wird beatmet. In diesem Zustand finden heute die Organentnahmen statt. Zum Zeitpunkt der Organentnahme ist also, mit Ausnahme des Hirns, der Körper mit all seinen Organen lebendig.

 

Ist die Annahme der Befürworter des Hirntodkonzeptes gerechtfertigt, dass ein hirntoter Mensch nichts mehr wahrnimmt und dass er nicht leidet, wenn ihm lebende Organe aus seinem lebenden Körper entnommen werden? Ist die Annahme gerechtfertigt, dass das Überleben und spätere Sterben der gespendeten Organe für den Spender keine Bedeutung hat?

 

1. Was, wenn sich die Medizin irrt?

Nach heutigem Stand der Wissenschaft kann der Mensch nach Ausfall des Hirns und des Hirnstammes nichts mehr wahrnehmen. Nur, die Medizin hat sich in der Vergangenheit immer wieder geirrt. So wurden noch bis vor nicht allzu langer Zeit bei männlichen Neugeborenen Beschneidungen ohne Narkose durchgeführt, weil die Medizin zu wissen glaubte, Säuglinge hätten noch keine Schmerzempfindung.

In Zukunft wird die Forschung neue Erkenntnisse bringen. Denkbar wäre, dass es so etwas wie ein „Zellgedächtnis“ gibt. Die Körperpsychotherapie, eine anerkannte, krankenkassenzulässige Therapieform, geht davon aus, dass im Körper emotionale Informationen aus der Kindheit gespeichert sind. Wenn also Erinnerungen auch im Körper gespeichert sein sollten, würde dies bedeuten, dass auch im Körper eine Form von Bewusstsein existiert, dass Spender möglicherweise Organverpflanzungen miterleben und dass Empfänger Erinnerungen der Spender mittransplantiert bekommen. Dazu gibt es in der Literatur Hinweise, die aber durch weitere Forschung bestätigt werden müssen [3, 4].

 

2. Wann verlässt die Seele, so es denn eine gibt, den Körper?

Sterben ist ein längerer Prozess. Die empfindlichsten Zellen des Körpers, die Nervenzellen im Gehirn, sind bereits fünf Minuten nach Herzstillstand tot, die Hornhaut des Auges kann noch nach drei Tagen transplantiert und Zellen bestimmter Gewebe können noch eine Woche nach Herzstillstand in Zellkulturen vermehrt werden [5]. Gibt es eine Seele, die während diesem Sterbeprozess den Körper verlässt? Sofern es eine Seele gibt, wann verlässt sie den Körper? Beim Herzstillstand, beim Hirntod oder erst nach einer Woche, wenn die letzte Zelle des Körpers gestorben ist? Oder verlässt die Seele den Körper gar nicht, solange die gespendeten Organe im Empfänger lebendig sind?

Wir wissen es nicht.

Und weil wir dies nicht wissen, sollten wir meines Erachtens Menschen während dem ganzen Sterbeprozess liebevoll behandeln und ihnen in dieser Zeit keine Organe aus dem Körper schneiden.

 

3. Spender und Spenderinnen sterben nicht vollständig, denn sie leben in den gespendeten Organen weiter

Viele Menschen glauben, dass hirntote Menschen bei der Organentnahme so tot sind, wie sie dies aus Film, Theater und TV kennen: kein Herzschlag, keine Atmung, blasse Hautfarbe. Sie glauben, dass die Organe vor der Kremation oder Beerdigung entnommen, Empfängern eingesetzt und dort wieder reanimiert, respektive zum Funktionieren gebracht werden. Das ist, wie wir wissen, nicht möglich, denn totes Gewebe kann bis heute nicht lebendig gemacht und Lebendigkeit kann nicht von einem Menschen auf einen anderen übertragen werden.

Gespendete Organe sind zum Zeitpunkt der Entnahme lebendig. Die Lebensenergie in den gespendeten Organen ist immer die Lebensenergie der Spender, auch während der ganzen Lebenszeit im Körper der Empfänger. Spender und Spenderinnen leben somit über ihre Lebensenergie in den gespendeten Organen weiter, verteilt auf mehrere Empfängerkörper, aber ohne Hirn und damit ohne Möglichkeit, sich mitzuteilen. Ob sie dieses Leben wahrnehmen, wissen wir nicht.

Ein Weiterleben verteilt auf mehrere Empfängerkörper ist widernatürlich und schadet Organspendern mit hoher Wahrscheinlichkeit.

4. Die Lebensenergien von zwei Lebewesen, Spender und Empfänger, werden vermischt

Die Natur will keine Vermischung von Lebewesen und der Empfängerkörper stösst somit das implantierte, fremde Organ ab. Auch hier wissen wir nicht, was das für Spender bedeutet. Sollen wir solchen Experimente an lebenden Menschen in unserer Gesellschaft zustimmen?

5. Spender und Spenderinnen sterben einen mehrzeitigen Tod

Die entnommenen Organe sterben nicht zusammen mit dem Hirn und dem Rest des Körpers der Spender, sondern sie sterben erst nach Monaten oder Jahren im Körper der Empfänger. Spender sterben damit einen mehrzeitigen Tod. Auch hier wissen wir nicht, was dies für Spender bedeutet.

Was dies bedeuten könnte, beschreibt „Walter j“ in einem Online-Kommentar (20 Minuten, 7.9.2016): „Wenn ich von dieser Erde gehe, soll kein lebender Teil von mir mich am weiter gehen hindern. Deshalb werde ich keinen Spenderausweis haben. Werde aber auch niemanden am weiter gehen hindern indem ich Organe annehmen werde. Ist die Zeit zum gehen gekommen, so soll es sein.“

Ein mehrzeitigen Tod ist widernatürlich und stellt zudem einen massiver Eingriff in den natürlichen Sterbeprozess dar. Es ist naheliegend, dass dies Organspendern schadet.

 

6. Unser Wissen über Hirntote ist unvollständig

Hirntote Menschen regulieren die Körpertemperatur, bekämpfen Infektionen und heilen Wunden, hirntote Kinder wachsen und kommen in die Pubertät und schwangere hirntote Frauen können gesunde Kinder zur Welt bringen. Der Körper kann offenbar auch ohne Gehirn viele Funktionen aufrechterhalten. Manches davon kann heute wissenschaftlich nicht erklärt werden. Unser heutiges Wissen über Hirntote ist unvollständig. Können wir annehmen, dass all dieses Leben für hirntote Menschen bedeutungslos ist?

 

7. Auch für die Philosophie hat der Körper Bedeutung

Die Philosophin Barbara Bleisch bemerkte in Sternstunde Philosophie (SRF 31.12.2017) in einem Gespräch über Unsterblichkeit: “... dass Lüscher die Art von Unsterblichkeit im Kopf hat, wo man sein Hirn quasi hinauflädt auf einen Chip und dann in einem neuen Körper weiterlebt. Und das finde ich schon alleine deshalb absurd, weil es so eine starke Leib-Seele Dichotomie macht, als wäre ich nicht auch mein Körper”. Für Barbara Bleisch ist klar, dass wir auch unser Körper sind.

 

Fazit: Wir wissen nicht, was Sterbende erleben, wir wissen nicht, wann genau die Seele, sofern es denn eine gibt, den Körper verlässt, wir wissen nicht, ob das Weiterleben in gespendeten Organen, das Vermischen von Lebensenergien von zwei Menschen und ein mehrzeitiger Tod Organspendern nicht schaden.

Sollte dies aber zutreffen, wäre das eine unglaubliche Tragödie.

 

Ist es ethisch vertretbar, unter diesen Voraussetzungen hirntoten Menschen Organe zu entnehmen?

 

Oder müssten wir nicht angesichts soviel Nichtwissens den alten Grundsatz der ärztlichen Ethik des Primum nil nocere (in erster Linie nicht schaden) beherzigen und auf die Entnahmen von Organen bei Sterbenden verzichten?

 

„Wenn der Atem aussetzt und der Arzt bestätigt es: sind Sie sicher, dass man in diesem Augenblick keine Träume mehr hat?“ (Max Frisch, „Fragebogen“ XI, Suhrkamp)

 

Freundliche Grüsse

 

Dr. med. Alex Frei

 

Beilage: Ausdruck der Referenz 1

 

Referenzen:

1 Kersting D. Tod des Körpers oder Tod der Person? Ethik Med (2017) 29:217-232, DOI 10.1007/s00481-017-0449-5


3 Pearsall P. Changes in heart transplant recipients that parallel the personalities of their donors. Integr. Med. 2000 Mar 21;2(2):65-72

4 Bunzel B et al. Does changing the heart mean changing personality? A retrospective inquiry on 47 heart transplant patients. Quality of Life Research, August 1992, Volume 1, Issue 4, pp 251-256

5 Marsch S. When is a person dead? Uni Nova - Research Magazine oft the University of Basel 125/2015, pp 33-34

 

AKTUELL

Erschütterndes Bekenntnis des Philosophen der Ethikkommission des amerikanischen Präsidenten

Daniel Wikler, Harvardprofessor, war der Philosoph in der Ethikkommission, die dem amerikanischen Präsidenten 1981 die landesweite Einführung des Hirntodkonzeptes empfahl. Er sagte 2018 in einem Interview (Artikel "What does it mean to die", The New Yorker, 5.2.2018, Seite 13): "I thougt it (the commission's theory of death) was demonstrably untrue, but so what? I didn't see the downside at that time." (Ich dachte, die Todestheorie der Kommission ist nachweislich unwahr, aber was soll's? Ich sah damals keine Nachteile.)

Und er schrieb für die Kommission das Kapitel "Die Bedeutung des Todes verstehen". Dazu sagte er heute: "I was put in a tight spot and I fudged. I knew that there was an air of bad faith about it. I made it seem like there are a lot of profound unknowns and went in the direction of fuzziness, so that no one could say, 'Hey, your philosopher says this is nonsense.' That's what I thougt, but you'd never know from what I wrote".

(Ich sass in der Klemme und ich mogelte. Mir war klar, es lag eine Atmosphäre von schlechter Absicht über allem. Ich liess es so aussehen, als gäbe es viele tiefgründige Unbekannte und ich drückte mich verschwommen aus, damit niemand sagen konnte, 'Hey, euer Philosoph sagt, dies ist Unsinn.' Das dachte ich, aber man hätte dies aus dem, was ich geschrieben habe, nie herauslesen können.)

Professor Truog, jetziger Direktor des Zentrums für Bioethik in Harvard, gesteht im gleichen Artikel, dass Hirntote nicht tot sind. Er ist aber der Meinung, dass es dennoch richtig ist, Hirntoten Organe zu entnehmen.

Seite 25: "I don't think, there's anything morally wrong with the fact that we take organs from these people (brain death people), even though there is no scientific reason for believing them to be dead." (Ich denke, es ist moralisch nicht falsch, dass wir von diesen Leuten (Hirntoten) Organe entnehmen, obwohl es keine wissenschaftliche Begründung gibt, die uns annehmen lässt, dass sie tot sind).

Weitere Aussagen von Professor Truog vom 5.5.2018 zum Thema "Den Tod definieren" finden Sie hier.

Auch die beratende Kommission des amerikanischen Präsidenten, The President's Council on Bioethics, hat in einem Bericht 2009 (Chapter Seven, Abschnitt 5) eingeräumt, dass die Begründung für die Gleichung Hirntod = Tod falsch ist.

Sie hat aber die Gleichung mit einer neuen Begründung aufrechterhalten: Hirntote sind ganz tot, "weil die Integration in die Umwelt fehle."

 

ÜBER UNS

Der Verein ÄPOL ist auf Initiative von Ärzten aus den Bereichen Hausarztmedizin und Psychotherapie, sowie Intensivpflegefachpersonen entstanden. Aufgrund von persönlichen Erfahrungen und Überlegungen sind wir überzeugt, dass Organspenden am Lebensende unhaltbar sind. Unser Ziel ist ein Verbot von Organspenden am Lebensende. Dazu wollen wir die Öffentlichkeit korrekt über den wahren Sachverhalt von Organspenden am Lebensende informieren und in einem zweiten Schritt allenfalls eine Volksinitiative lancieren. Lebendspenden sollen erlaubt bleiben.

ÄPOL ist politisch und konfessionell neutral.

Der Verein zählt 85 Mitglieder (Stand 12.2019), davon 20 Ärztinnen und Ärzte,

29 Personen mit Gesundheitsberufen und 36 Personen aus anderen Berufsgruppen (darunter aus Fachgebieten wie Rechtswissenschaften, Theologie, soziale Arbeit, u.v.m.)

 

Mitgliedschaft für alle

Vereinsstatuten

Vorstand

 

 

LITERATUR

 

Brenner Andreas, Basel: Philosoph fordert: "Die Leichenspende sollte verboten werden"

Dialog Ethik: Streitgespräch zwischen Franz Immer, Direktor Swisstransplant, und Alex Frei, Verein ÄPOL, Zeitschrift von Dialog Ethik, Thema im Focus, Nr. 141, S. 18, September 2019 (Artikel als PDF)

Frei Alex, Aemissegger Urs, Beerli Alois, Sicher Marlène, Stoffel Georg: Organspende am Lebensende, Schweizerische Ärztezeitung, 3.4.2019 (Veröffentlichung des Positionspapiers von ÄPOL)

Frei Alex: Warum keine Organspenden am Lebensende durchgeführt werden dürfen, Zeitschrift Praxis Palliative Care 44/2019, S. 44, Thema: Die "palliative" Seite der Organtransplantation (Artikel als PDF)

NZZ: Sind Organe von Hirntoten tabu?, 28.3.2019 (Vorstellung unseres Vereins ÄPOL)

NZZ: Mangelndes Wissen über den Hirntod, 4.4.2019 (Leserbrief von ÄPOL)

 

NZZ: Wann sind wir tot?, 31.10.2010

 

Schweizer Fernsehen, Arena, 22.3.2019: I schänke dr mis Härz! (Diskussion über die Widerspruchslösung, mit Alex Frei, Vizepräsident ÄPOL)

 

"Ich höre meinen Organspender sagen: Steh auf." Bericht des Deutschen Schriftstellers David Wagner im Philosophie Magazin Nr. 01/2020, S. 64

 

JAMA 1968: A Definition of irreversible Coma (Originaltext des Berichts des ad-hoc-Komitees der Harvard Medical School, der zur Einführung des Hirntodkonzeptes führte. Bitte beachten: das Komitee begründet nicht, warum der Hirntod dem Gesamttod des Menschen entsprechen soll)

 

Jonas Hans, Philosoph, 1968: Kritik am Hirntodkonzept

 

Kersting D.: Tod des Körpers oder Tod der Person? (wissenschaftlicher Grundlagentext)

Lubitsch A.: Anästhesie zu Multiorganentnahme, Universitätsspital Basel 2007, Abschlussarbeit in der Weiterbildung zur Pflegefachfrau in Anästhesie und Reanimation (beschreibt im Vorwort und auf Seite 30 die Schmerzreaktionen von Organspendern bei der Organentnahme, zeigt die Verunsicherung beim Anästhesiepersonal)

Striebel, Hans Walter: Ich pflege Tote, Die andere Seite der Transplantationsmedizin, RECOM Verlag, Basel, 1991 (Pflegefachpersonen und Ärzte, die Organtranssplantationen zwar befürworten, beschreiben ihr Erleben und ihre Gefühle während der Vorbereitung von Organspendern und der Organentnahme, sowie ihre Schwierigkeiten, die Situation zu verarbeiten)

Aviv R. What Does it Mean to Die? The New Yorker, 5.2.2018, deutsche Übersetzung (Stand der aktuellen Organspendediskussion in den USA)

Swisstransplant: Ablauf von Organ- und Gewebeentnahme (Explantation)

The President's Council on Bioethics USA, 2009: Controversies in the Determination of Death (Eingeständnis, dass die bisherige Begründung für die Gleichung Hirntod = Tod falsch war, neue Begründung: Beim Hirntoten fehlt die Integration in die Umwelt, darum ist er tot, siehe Chapter Seven, Abschnitt 5)

v. Wilmowsky A.: Offener Brief über die dunkle Seite der Organspende (Bericht einer Intensivpflegefachfrau mit langjähriger Erfahrung in der Pflege von Organspendern und Organempfängern.)

 
 

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